Wort von Dekan Monsignore Hans Amann

zur Verabschiedung von Frau Marlies Hoffmann als Realschuldirektorin der Mädchenrealschule St. Josef in Schwandorf am 25. Juli 2019

Liebe Ehrengäste, liebe Schulfamilie, liebe Frau Hoffmann,

„Ende eines Pilgerweges“ lasen wir auf der Einladung zur heutigen Feier und lesen wir jetzt auf dem Programmblatt. Ich meine: Eine treffliche Überschrift über den heutigen Tag, den 25. Juli, den Festtag des Apostels Hl. Jakobus d. Ä., an dem nach 34 Jahren pädagogischer Tätigkeit – davon 21 Jahre als Direktorin dieser Schule – Ihr Dienst, liebe Frau Hoffmann, zu Ende geht. Ich möchte Ihnen beim Abschied von Ihrer und unserer Mädchenrealschule St. Josef ein Wort von meinem zu Ihrem Herzen sagen, nämlich: Wer am Ziel ist, ist noch lange nicht am Ende!

Der Pilger, der am Ende seines Camino in Santiago de Compostela angekommen ist, hat noch den Weg zum Capo Finisterre vor sich, den Weg an das Ende der Welt, wie man im Mittelalter von diesem Ort dachte und sprach.

Nicht anders ist es, wenn eine verdiente Pädagogin und Schulleiterin wie Sie, liebe Frau Hoffmann, das Ende ihres Camino, ihres Pilgerweges an ihrer Schule erreicht hat. Auch hier gilt: Wer am Ziel ist, ist noch lange nicht am Ende! Auf dem nun folgenden Weg tun sich ganz neue Räume, ganz neue Aufbrüche, ganz neue Aufgaben und ganz neue Möglichkeiten für Sie auf. Es sind mehr als Sie heute sich denken können! Sie werden diesen Weg zu Ihrem persönlichen Capo Finisterre, so wie ich Sie kenne und schätze, aktiv und zielorientiert angehen und, staunend und dankbar für das Erreichte, noch einmal anders und womöglich stärker in Ihr Leben finden.

Liebe Frau Hoffmann, Sie haben sich nie damit begnügt, den Weg als Ziel zu sehen. Ich bin froh darüber. Denn wer nur den Weg als Ziel kennt, ist ständig der Gefahr ausgesetzt, auf der Strecke zu bleiben und eben nicht ein Ziel zu erreichen. Sie hatten und haben stets ein Ziel als aufrechter Mensch, als selbstbewusste Frau, als überzeugte und überzeugende Christin, als mütterliche Freundin, als einfühlsame Lehrerin und als umsichtige Direktorin. So konnten und können Sie Ihren Weg immer zielorientiert gehen und andere kompetent und sicher an das gesteckte Ziel führen.

Wir, die Pfarreien und Kirchen in Schwandorf und der ganzen Region sind dankbar für diese Schule und stolz auf sie. Wir sind auch dankbar für und stolz auf die Frau, die hinter dieser Schule steht und sich auch, wenn nötig, vor diese Schule stellte, auf Sie, liebe Frau Hoffmann.

Ein Wegstück von eher finsterer Natur, liebe Frau Hoffmann, war der Beginn unserer gemeinsamen Geschichte mit dieser Schule. Gott sei Dank ist aus der kurzen Leidensgeschichte, als die Schließung der Schule drohte, eine Erfolgsgeschichte hervorgegangen – dank Ihnen. Was diese Schule so erfolgreich macht und warum sie weithin so geschätzt wird, ist die Tatsache, dass an ihr die Mädchen und jungen Frauen ganzheitlich gebildet werden, an Verstand, Leib, Herz und Seele und dass sie hier nicht als Objekte der Erziehung gesehen und behandelt werden, sondern sich, gut begleitet und geführt, als Subjekte zu lebenstüchtigen Menschen entwickeln können.

Bei der 100 Jahr-Feier der Schule habe ich die Mädchenrealschule St. Josef als die „First Lady“ der Schwandorfer Schulen bezeichnet. Diese Bezeichnung möchte ich heute auch auf Sie anwenden, liebe Frau Hoffmann. Ich meine damit, dass Sie in allen Belangen dieser Ihrer Schule immer beispielgebend vorangegangen sind und, wenn es einmal sein musste, auch die „eiserne Lady“ sein konnten, die verbindlich und bestimmt den Weg zu weisen wusste.

In Ihrer gesamten pädagogischen Laufbahn waren Sie nie eine Moral-Apostolin, sondern immer eine dem Evangelium gemäße Apostolin, die jungen Menschen die Freude am Leben auf der Basis des Glaubens und der christlichen und kirchlichen Werte vermittelt hat – als Angebot für ein glückendes Leben. Genau so, liebe Frau Hoffmann, habe ich Sie kennen und schätzen gelernt. Dafür bin ich dankbar.

Wer am Ziel ist, ist noch lange nicht am Ende!

Die Pfarreien und Kirchen in der Stadt Schwandorf und der ganzen Region und ich persönlich sagen Ihnen, liebe Frau Hoffmann, ein herzliches Vergelt’s Gott für Ihr langjähriges segensreiches Wirken an dieser Schule zum Wohle der Jugend und auch unserer Kirchen. Wir wünschen Ihnen Gottes reichsten Segen für die nun vor Ihnen liegende spannende Zeit und die vor Ihnen liegenden offenen Räume, die es zu füllen gilt.

Und ich wünsche Ihnen für diese Zeit und diese Räume von ganzem Herzen:

Ankommen

Abstand gewinnen

erahnen

wie mein Wert aus seinem Sein entspringt.

Aus Ihrem Sein, liebe Frau Hoffmann, ist hoher Wert entsprungen und eine hohe Wertschätzung dazu.

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Dekan Monsignore Hans Amann